Gerstengrassaft wie Schokolade selbstgemacht zum gesunden Frühstück

Sekundäre Pflanzenstoffe

Sekundäre Pflanzenstoffe (Abkürzung Sps) zeigen auf den ersten Blick auch "zweitrangige" Aufgaben: Sie dienen nicht zur direkten Erhalgung, sondern in Pflanzen als Abwehrstoff gegen Freßfeinde und sie dienen vielen Gewächsen als eine Art Sonnenschutz. Sie schützen vor den schädlichen Auswirkungen der UV-Strahlung der Sonne. Auch als Farbstoffe kommen sie zum Einsatz. Viele Früchte enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, die Tiere zum Fressen der Früchte anregen. Dadurch werden die Samen dieser Pflanze verbreitet. Sps wirken im Menschen wie Medikamente ­ sie tragen im eigentlichen Sinne nichts zur Ernährung bei. Im Gegensatz dazu die pimären Pflanzenstoffe: Sie wirken in der Regel als Nährstoffe (einzige Ausnahme Ballaststoffe). In den Pflanzen sind sie beteiligt an der Energieerzeugung und am Aufbau der Zellen. Sps sind chemisch gesehen sehr unterschiedliche Substanzen, die in den Pflanzen meist nur in geringer Konzentration vorkommen. Bisher sind etwa 30 000 bekannt; davon kommen 5 000 bis 10 000 in der Nahrung vor. Bei normaler Ernährung nimmt man jeden Tag ungefähr 1,5 Gramm an Sps zu sich. Vegetarier allerdings konsumieren wesentlich mehr. Durch verarbeitete Nahrung und weil kaum einer heute noch Früchte frisch von Baum und Feld zu sich nimmt, dazu meist noch schält oder die Kerne auspuckt, haben immer mehr Menschen einen Mangel an sekundären Pflanzenstoffen. Ansätze, die ein gesundes Frühstück fördern, können den Bedarf an sekundären Pflanzenstoffen leicht ausgleichen.

Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe

Bis vor wenigen Jahren dachten die Forscher, daß die Sps giftig für den Menschen seien. Heute weiß man, daß die meisten die Gesundheit fördern. Der Wendepunkt kam Anfang der 90er Jahre: Damals zeigten amerikanische Wissenschaftler, daß Menschen, die viel Obst und Gemüse essen, wesentlich weniger Krebs bekommen. Dabei litt das Viertel der Personen, die am wenigsten Obst und Gemüse aßen, doppelt so häufig an Krebs wie das Viertel der Personen mit dem höchsten Konsum. Weniger befallen wurden fast alle inneren Organe: Magen, Dick- und Mastdarm, Lunge, Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Leber, Mundhöhle, Brust und Kehlkopf. Sps wirken aber nicht nur gegen Krebs: Sie schützen den Körper vor Infektionen mit Bakterien und Viren, hemmen die Entstehung von schädlichen Stoffwechselprodukten, regen das Immunsystem an, verhindern Blutgerinnsel und sind verdauungsfördernd. Herausgefunden haben die Forscher das durch verschiedene Experimente. So wurde zum Beispiel in dem Film über den Safttest der Einfluß von verschiedenen Sps auf weiße Blutkörperchen, also Blutzellen, untersucht. Dabei versucht man herauszufinden, ob die Sps die Zellen vor Giftstoffen schützen können, die krebsauslösend sind. Dasselbe passiert nämlich im Körper, wenn Krebs entsteht: Giftstoffe schädigen das Erbgut der Zellen, diese können sich dadurch ungehemmt teilen und zu Geschwulsten heranwachsen. Die Giftstoffe entstehen dabei auf verschiedenen Wegen. Zum einen produziert sie der Körper bei Stoffwechselvorgängen selbst. Zum anderen kommen sie auch von außen, zum Beispiel durch Rauchen oder zuviel Sonnenlicht. Früher dachte man, daß vor allem auch Schadstoffe aus der Umwelt für die hohen Krebszahlen verantwortlich sind. Heute denken viele Wissenschaftler, daß besonders eine falsche Ernährung die Gefahr vergrößert. Bis zu 60 Prozent der Krebserkrankungen, so einige Forscher, sind dadurch verursacht. Wie die Sps das Risiko vermindern, darüber weiß man seit einigen Jahren genaueres. Es gibt zum Beispiel sekundäre Pflanzenstoffe, die als Gegengift wirken - sie machen die Giftstoffe unschädlich. Andere sekundäre Pflanzenstoffe hemmen Substanzen im Körper, die die Giftstoffe aktivieren und damit erst schädlich machen. Wieder andere schirmen das Erbgut gegen die Giftstoffe ab. Ein weiterer Mechanismus stärkt die Selbstheilungskräfte des Menschen: Dieser ist den Krebsauslösern nämlich nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt Reparatursysteme, die die gefährlichen Schäden im Erbgut reparieren können.

Forscher fanden heraus, daß einige Sps diesen körpereigenen Reparaturdienst auf die Sprünge helfen. Einige Sps hemmen auch Hormone, die bei verschiedenen Krebsarten eine wichtige Rolle spielen. Ein Beispiel sind die Östrogene, weibliche Geschlechtshormone, die bei der Entstehung von Brustkrebs eine Rolle spielen. Ein weiterer Mechanismus ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen den Zellen. Krebszellen erhalten von den umliegenden, gesunden Zellen keine Informationen mehr darüber, daß sie ihre unkontrollierte Vermehrung stoppen sollten ­ sie haben sich praktisch von ihrer Umgebung abgeschottet. Die Sps erhöhen die Zahl der Verbindungskanäle zwischen den Zellen. Dadurch ist die Krebszelle wieder zugänglich und stoppt ihre Vermehrung. Neben der Vielzahl an gesundheitsfördernden Sps gibt es auch einige wenige giftige. Ein Beispiel ist das Solanin aus der Kartoffel, das die Körperzellen schädigt.

5-9 mal Obst mit Schale

Die gesundheitsfördernden Wirkungen der sekundäre Pflanzenstoffe sind mittlerweile unumstritten. Deshalb empfiehlt beispielsweise das Nationale Krebsinstitut der USA, an jedem Tag fünf bis neun Portionen Obst und Gemüse zu essen. Als Portion gilt dabei ein Apfel oder der Salat zum Essen genauso wie zum Beispiel die Tomatensoße zu den Spaghetti. Man muß also nicht komplett seine Ernährung umstellen, um diese Empfehlung umzusetzen. Es reicht häufig schon, Fritten lieber mit Ketchup zu essen als mit Mayonaise. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Empfehlungen ausgesprochen: Jeder sollte am Tag mindestens 200 Gramm Gemüse, eine Portion Salat von etwa 75 Gramm und mindestens ein bis zwei Stück Obst zu sich nehmen. Darunter ist aber zum Beispiel auch ein Pfirsichkompott aus der Dose zu verstehen. Eine weitere Möglichkeit, seine tägliche Portion Sps zu sich zu nehmen: Gemüsesäfte. In der Sendung wurde über einen Test von Gemüsesäften berichtet, den die Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe gemacht hat. Die 23 Versuchspersonen ernährten sich zunächst zwei Wochen lang ganz normal, also ohne Saft. Es folgten zwei Wochen, in denen sie jeden Tag eine Flasche Tomatensaft tranken. Anschließend zwei Wochen lang Karottensaft, danach 14 Tage Spinatsaft, den die Forscher durch Auflösen von Spinatpulver in Wasser produziert hatten. Jeder Saft enthielt einen anderen typischen Sps: Tomatensaft das Lycopin, Karottensaft Alpha- und Beta-Carotin, Spinatsaft Lutein. Nach jeder Woche wurde eine Blutprobe genommen. Daraus isolierten die Forscher die weißen Blutkörperchen und setzten sie einem Giftstoff aus ­ das gleiche, was im Körper bei der Krebsentstehung passiert. Es zeigte sich, daß das Lycopin des Tomatensaftes die Zellen vor dem Gift schützte. Karottensaft war nur wenig schlechter, während der Spinatsaft nicht so wirksam war.

Fazit: Man kann sich schützen, und zwar nicht durch radikale Diät, sondern schon durch das Trinken einer Flasche Tomaten- oder Karottensaft pro Tag. Wenn möglich sollte man das C Gemüse immer zu den Mahlzeiten einnehmen. Viele der darin vorhandenen Sps sind nämlich fettlöslich. Zusammen mit dem Nahrungsfett werden sie dann besonders gut aufgenommen. Zur Schutzwirkung einzelner Gemüsearten: Eine starke Anti-Krebs-Wirkung zeigten vor allem viele Kohlarten; vor allem das Risiko von Dickdarm- und Leberkrebs verringerte sich. Karotten, Mangos, Tomaten, Kohl und Brokkoli wirken besonders gegen Lungenkrebs. Wichtig ist auch die unterschiedliche Wirkung von erhitztem und unerhitztem Gemüse. Viele Studien zeigen, daß Gemüse, das nicht gekocht wurde, besonders gut vor Krebs schützte. Allerdings reagieren die Sps sehr unterschiedlich auf Erhitzung. Zum Beispiel leiden die sogenannten Glucosinolate aus Kohlgewächsen unter der Hitze ­ 30 bis 60 Prozent gehen kaputt, je nach Kochzeit. Dagegen ist eine andere Gruppe von Sps, die Flavonoide, sehr hitzestabil. Einige Sps werden sogar nur durch Kochen verfügbar, weil sie normalerweise in den Zellen eingeschlossen sind. Erst wenn die Zellen durch die Hitze aufplatzen, kann der Mensch sie aufnehmen. Alle, die jetzt darauf hoffen, Sps demnächst vielleicht als Medikament zu sich zu nehmen, werden enttäuscht sein: Die Sps-Pille wird es aller Voraussicht nach nicht geben. Mittlerweile gehört es zur gesicherten Erkenntnis, daß nur Gemüse oder Obst in seiner ursprünglichen Form sich gesundheitlich positiv auswirken. Dagegen kam es bei Studien, in denen nur eine isolierte Substanz gegeben wurde, sogar zu einer Erhöhung des Krebsrisikos. Die Forscher vermuten, daß das Zusammenspiel vieler Sps in Obst und Gemüse für die Schutzwirkung verantwortlich ist. Übrigens: Je mehr Obst und Gemüse Sie essen, desto besser schützen Sie sich. Es gibt in diesem Sinne kein Zuviel an sekundären Pflanzenstoffen.